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JAKOBSWEG ​AUSRÜSTUNG

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Anker 1

 

Welcher Rucksack für den Jakobsweg? Welche Schuhe sind die beste Wahl? Welche Kleidung zum Pilgern? Was hat sich auf meinen Caminos bewährt?

OK. Du hast dir meine Packliste schon angesehen und willst jetzt wissen, was ich konkret benutze?

Wenn du noch wenig Erfahrung hast und mehrere Wochen pilgern möchtest, solltest du deine Ausrüstung sorgfältig auswählen. Vor allen Dingen zu viel Gewicht im Rucksack kann schnell zu Schmerzen und körperlichen Problemen führen – im Gegensatz zu anderen Pilgern möchtest du die unterwegs wirklich nicht kennenlernen, wenn es sich vermeiden lässt.

Hier möchte ich dir Entscheidungshilfen und vielleicht den einen oder anderen Denkanstoß mit auf den Weg geben. Denn ich habe meine Ausrüstung nicht im heimischen Wohnzimmer auf Herz und Nieren und Pilgersteine geprüft, sondern bin damit mittlerweile 800 Kilometer auf dem Camino Francés durch Spanien, 1100 Kilometer durch Frankreich und weitere 500 Kilometer durch Bayern geschlappt. 

Die essentiellen 20 Ausrüstungsteile für Pilgergreenhörner
(alles nur Empfehlungen ohne finanziellen Vorteil für mich):

1. Der Rucksack 

Er wird die nächsten Wochen täglich dein engster Begleiter sein. 

Ich nehme den Deuter Aircontact Lite 35 + 10 SL mit, obwohl sein Eigengewicht recht hoch ist. Aber ich hab ihn einfach lieb.

Der Rucksack sollte zwischen 35L und 45L fassen und gut an Deinem Körper sitzen. Es ist außerdem extrem wichtig, dass Du einen richtigen Wander-Rucksack hast, der den größten Teil des Gewichts von deinen Schultern auf die Beckengurte überträgt. Dieser Rucksack  ist ein Damenmodell, wobei die SL  (=shortlenght) für kurze Rücken geeignet ist. Da ich 1.75m groß und keine Gazelle bin, ist die Rückenlänge bei mir auf maximale Verlängerung eingestellt. Für noch größere Damen ist dieser Rucksack nicht empfehlenswert. 

Ich hatte mir dieses Modell nach vielen Recherchen 2019 im Internet  bestellt. 

Unerfahren wie ich war, habe ich länger gebraucht, bis ich ihn mir alleine so eingestellt hatte, dass er mir optimal passt. Wenn er gut gepackt ist, was ich anfangs auch nicht immer geschafft habe, finde ich ihn superbequem.

Für mich hat er nur ein Manko im Sommer – bei Wanderstockeinsatz  scheuert er mir an einem Riemen die Innenseite des linken Oberarms auf, immer dann, wenn ich dort schwitze.  

Das Modell ist mittlerweile technisch und optisch überarbeitet worden.

Für den nächsten Rucksack werde ich jedoch in ein Fachgeschäft gehen, um ihn anzuprobieren. Das würde ich dir unbedingt empfehlen, wenn Du noch keinen Rucksack hast.

Auf dem CF waren viele Deutsche von hinten schon immer gut an ihren "Deuter'n" zu erkennen. Marktführer weltweit scheinen aber die Amerikaner mit der Rucksackmarke Osprey zu sein, die es in vielen verschiedenen Ausfertigungen und Größen gibt, auch sehr leichte Modelle. Wie mir scheint, sind sie auch teilweise speziell für Pilger konzipiert worden. Kein Wunder, der Markt an Pilgerbedarf wächst und wächst.

Falls Du offen bist - der Kauf eines Ospreys ist definitiv eine Überlegung wert.

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2. Die Wahl des richtigen Schuhs

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Bis zu meiner letzten Pilgerung durch Frankreich (05/25) waren gut eingelaufene und bequeme knöchelhohe Wanderstiefel, Kategorie A/B, wie auf dem Foto, meine uneingeschränkte Empfehlung. Diese Ansicht ist nun überholt und abgelöst worden durch meine Trailrunnererfahrung. 

Gut eingelaufene, bequeme und genügend große Wanderschuhe oder Trailrunner (mind. 1 Nummer größer!) und gute Wandersocken sind das A für einen schmerzreduzierten, hoffentlich blasenfreien, fußnägelerhaltenden Fernwanderweg. Das O ist die tägliche morgendliche & abendliche Fußpflege mit Hirschtalg oder ähnlich fetthaltigen Cremes.

Die Füße können nämlich andernfalls, noch vor dem Rücken, die größten Spielverderber werden. Ich für meinen Teil habe Füße ähnlich wie Hobbits. Problemfüße. Für eine "Dame" zu breit, zu platt, zu lang.

Deshalb tendierte ich lange Jahre, trotz aller berechtigten Einwände gegen das hohe Gewicht des Schuhs,  zu einem robusten, knöchelhohen Treckingstiefel, der mir besonders beim steilen Abstieg Halt und Stabilität verleiht. Allerdings wurde das lange Gehen damit auf hartem Bodenbelag und bei Hitze schnell unangenehm.

Nachdem ich nun allerdings einen viel leichteren Trailrunningschuh  (New Balance) 350 Kilometer getestet habe, der mich ohne Blasen mit höchstem Komfort bei Sonne, Regen und Matsche durch Frankreichs Mittelgebirge getragen hat, möchte ich nie wieder in Stiefeln pilgern gehen. Die fantastische Dämpfung, das leichtere Gewicht und die geringere Hitzeentwicklung am Fuß sind die überzeugenden Argumente für den Trailrunnerschuh. Ein Nachteil ist die relative Kurzlebigkeit (Tonne nach ca. 1000 Km) , sowie der Fakt, dass man bei Regen oder Bachdurchquerungen  schneller nasse Füße bekommt, selbst wenn man das Goretexmodell trägt. Ob Goretex beim Trailrunner wirklich sein muss - auch daran scheiden sich die Geister.

Auf jeden Fall geht die Tendenz auf den Jakobswegen in der Hauptsaison eindeutig hin zu diesen leichten Schuhen. Ich rate dringend vorher zuhause beide Optionen auf Tagestouren auszuprobieren und weise zu entscheiden in Abhängigkeit vom Weg, Jahreszeit und natürlich dem eigenem Fuß.

3. Die Wandersocken

Die Füße sind der König auf deinem körperlichen Schachbrett! 

 

Die musst du hegen und pflegen, sonst wird deine Pilgerpartie sehr schnell matt enden. Viele Leute sind überrascht, wenn sie nach dem Abstieg in Zubiri (3. Etappe Camino Francés) die stinkenden Socken ausziehen und feststellen, dass sich Blasen ankündigen.

Eigentlich aber nicht verwunderlich, denn die Belastung für die Füße ist extrem hoch, die Strecke ultralang. In den meisten Fällen quillt der Fuß durch Wärme oder Nässe auf, die Reibung zwischen Socke und Fuß erhöht sich durch die Feuchtigkeit und zack: Aus "Willkommen im  Baskenland" wird schnell "Willkommen im Blasenland"! 

Eine gute doppellagige Socke, die die Reibung minimieren soll, ist die Socke von "Wrightsocks", unverkennbar durch die gelbe Muschel auf schwarz. Ich bin jedoch während meiner Pilgerzeit umgestiegen auf "Zehensocken" (von Injinji). Praktisch ein Handschuh für den Fuß. Die sind zwar nicht doppellagig, haben mir aber trotzdem sehr gute Dienste erwiesen. Wenn Du zu Blasen an den Zehen neigst, eliminieren sie das Risiko, dass sich die Zehen (oder Zehennagel) aneinanderreiben. Es gibt sie in verschiedenen Höhen und Materialstärken und mit Merinoanteil.

Es gibt auch Leute, die über die Injinjis noch ein weiteres Paar Socken ziehen.

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4. Der Pilgerpass

Auf spanisch: Credencial del Peregrino. Du brauchst ihn, um in den spanischen öffentlichen  Herbergen (Municipales) und  den privaten Herbergen (Albergues) übernachten zu können und bekommst dort jedes Mal einen Stempel. Du kannst ihn für ein paar Euro im Inland, z.B. bei den deutschen Jakobsgesellschaften bestellen oder bei deinem Besuch im Pilgerbüro in Saint-Jean-Pied-de-Port am Antrittstag deiner Pilgerreise kaufen. Mit deinem abgestempelten Pass als Nachweis deiner gelaufenen Strecke, gehst du dann in Santiago in das Pilgerbüro und kannst dir dort deine Compostela, die Pilgerurkunde, ausstellen lassen .

5. Ersatzsandalen/Crocs

 

Ich liebe die Teva W Tirra Outdoorsandalen.

Sie sind, gerade im Sommer, eine Wohltat für jeden Fuß nach einem Tag im stickigen Wanderschuh. Allerdings sind sie mit ca. 500g pro Paar wirklich schwer, da sie eine dicke Sohle haben. In Bayern hatte ich sie immer dabei und auf dem Frances auch. Sie tun für mich auch in den Gemeinschaftsduschen ihre Dienste, die Stoffriemchen trocknen sehr schnell wieder.

Natürlich kann man sie auch gegen leichtere Crocs eintauschen oder FlipFlops. In Frankreich hatte ich erstmalig Crocs dabei, die halb so schwer sind.

Ich persönlich bin kein FlipFlopper und wenn müde Pilgerfrau dann im Herbst abends rausgeht, kann sie in den Sandalen/Crocs auch leichte Socken tragen gegen kalte Füße. Nicht très chic, aber praktisch und bequem.

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6Wanderstöcke

 

Für Kniegeplagte. Ich benutze mittlerweile die zusammenfaltbaren, leichten und handlich verstaubaren Teleskopstöcke von Black Diamond (nicht auf dem Foto, das sind noch die alten).

Für mich ein absolutes Muss. Entlasten die Knie beim Auf- und Abstieg. Bieten außerdem bei steilen Abstiegen mehr Sicherheit ohne Überschlag ins Tal zu kommen.

Wer mit dem Flugzeug anreist, sollte darauf achten, dass sie nicht mit ins Handgepäck dürfen. Das heißt, der Rucksack muss aufgegeben werden. Oder man reist ohne eigene Stöcke an und kauft sich welche in Saint-Jean-Pied-de-Port im Laden dort. Ist unproblematisch.

7Wasserdichte Packsäcke

Gekauft von den Firmen Osprey und Sea to Summit  und ausgiebig getestet, vielseitig einsetzbar. Ich hab drei in unterschiedlichen Größen und Farben ( 3 Liter, 6 Liter und 12 Liter)  für Handtuch, Pilgerklamotte und Schlafsack/Rest. 100% Leistung. Da gibt' s nichts zu meckern. Alles was drin ist bleibt trocken, selbst in der Waschmaschine (das hab ich nur so geschrieben - nicht getestet). Sie sind definitiv raschelärmer als Plastiktüten und sie tragen auch noch dazu bei, dass du viel mehr Überblick im Rucksack behältst. Außerdem lassen sie sich durch den Verschluss extrem komprimieren, d. h., wenn man die Verschlusstechnik richtig beherrschst, geht alle überflüssige Luft raus und es ist drin fast wie ein Vakuum. 

Ich habe den größten Sack immer als Wäschesack mit zur Waschmaschine genommen. Und wenn mal nicht Waschtag war den kleinen als Schmutzwäschebeutel benutzt, damit die getragene Wäsche nicht die noch sauberen Kleidungsstücke im selben Beutel vollstinkt.

8. Schlafsack

 

Der Deuter Dreamlite Kunstfaserschlafsack war meine, vorher nicht erprobte, Wahl für den Camino Francés ab Ende April. Ein leichter, bezahlbarer Schlafsack, 590 Gramm schwer, mit schönem, kleinen  Packmaß und einer Komforttemperatur von 16 Grad, Limit 13 Grad. Er liegt bei ca. 80 Euro.

Diese Range war im Frühjahr für mich persönlich zu wenig.

Ich habe mehrfach in diesem Schlafsack gefroren und werde diesen bei meiner nächsten Tour gegen einen Wärmeren austauschen.

Als Sommerschlafsack, oder für Menschen, die nicht schnell frieren, taugt er sicher.

Aber für kühlere Nächte in den Bergen  werde ich ein wärmeres Modell ausprobieren und zwar habe ich mir den Cumulus LightLine 200 ausgesucht. Gänsedaune. Er kommt in einen meiner wasserdichten Packsäcke - dann wird er definitiv nicht nass.

Der wiegt sogar nur 495 Gramm und hat einen Komfortbereich bei 9 Grad, sein Limit wird mit 4 Grad angegeben. Das Packmaß ist ähnlich wie beim Dreamlite, ein wenig kürzer, dafür legt er im Durchmesser leicht zu. 

Größtes Manko: Er ist leider wesentlich teurer als der Dreamlite (ca. 250 Euro).

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9. Handtuch

Klassische Baumwollhandtücher sind out. Das Zauberwort ist Mikrofaser.  Das Mikrofaserteil hat dem "alten" Handtuch gegenüber drei Vorteile. Es ist wesentlich leichter, kompakter und trocknet im Zeitraffer (statt im Rucksack zu müffeln). Ich  habe mich für  70 x 140 cm entschieden. Es gibt viele Anbieter. Dies ist ein günstiges von Decathlon. Ich finde das Gewicht mit 200g  immer noch relativ hoch, wollte aber auch nicht so einen Minifetzen, falls man es doch mal als Sichtschutz vor dem unteren Etagenbett oder dem weiblichen Körper verwenden will.  Kuschelig ist anders, aber es tut, was es soll, solange man nicht die Fasern durch Weichspüler schädigt oder es zu heiß in den Trockner wirft. Dann nimmt die Saugfähigkeit noch mehr ab. Saugfähigkeit? Welche Saugfähigkeit?

10. Stirnlampe

 

Die Petzl E02 P3 E + Lite wird eingepackt.

Extrem leicht mit 20 g und deshalb meine Wahl. Im Herbst ist es bis morgens 8 Uhr stockfinster. Besonders in der Meseta. Wenn Du nicht mit dem Handylicht in der Hand leuchten willst, was bei zwei Wanderstöcken blöd ist, solltest Du eine Stirnlampe mitnehmen. Sonst musst du warten, bis jemand mit Lampe vorbeikommt und hinterherschleichen. Oder länger schlafen.

11. Die Unterwäsche & Shirts mit Funktion

Merino, Merino, Merino. Kostet soviel, als würdest Du dir selbst die Tiere im Garten halten, aber es ist das Geld wert.
2 Unterhosen kurz und 1 lang, Sport-BH, ein Top und ein Langarmshirt. Einzig meine beiden Funktions-T-Shirts (von Patagonia) sind aus einer kühlenden, geruchshemmenden Kunstfaser, riechen aber trotzdem schneller unangenehm. 
Ansonsten nehme ich nur Merinowolle. Sie wärmt, ist superatmungsaktiv, nicht kratzig und stinkt erst sehr viel später als andere Materialien. Das Angebot auf dem Markt ist sehr groß. Es lohnt sich oft auf einen Abverkauf zum Ende der Saison zu warten und erst dann zuzugreifen. Ich habe Ice Breaker & Supernatural
 am Leib. Nur nichts weißes.

Vorsicht beim Waschen! Nicht über 30 Grad und nur äußerst schonend. Das Gewebe ist empfindlich. Andernfalls macht die Waschmaschine das, was Motten sonst machen würden: kurzen Prozess.

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12. Fleecejacke 

Mein Lieblingsteil. Ein toller Materialmix mit einem Anteil Merinowolle, Polyester und Elathan.  Super bequem. Leicht, elastisch. Schnelltrocknend, strapazierfähig, super atmungsaktiv. Auch die stinkt nur sehr wenig. 
Den Kauf habe ich nicht bereut. Ich liebe diese Jacke. Praktisch als Midlayer unter einer Hardshelljacke oder auch solo.  Einziges kleines Manko: sie hat keine Kapuze. Ich aber eine Mütze.

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13. Isolationsjacke

Im Frühjahr, Herbst, Winter für mich unverzichtbar.

Getragen morgens über der Fleecejacke als Toplayer oder unter der Regenjacke/ Poncho als Midlayer. Für mich auch Gold wert, weil mir einfach, durch den hohen Energieverbrauch tagsüber, in der Ruhephase abends, wenn man vielleicht noch draußen sitzt, sehr schnell kalt wird. Es gibt viele Anbieter im Outdoorbereich. Im Sommer ersetze ich sie durch eine dünnere Softshelljacke. 

14. Beinkleidung

Eine lange Trekkinghose zum abzippen, dazu eine Shorts oder alternativ zur langen Wanderhose eine Leggins. Das reicht. Mehr braucht Pilgerin nicht. Für mich wichtig: eine leicht erreichbare Tasche mit Reißverschluss auf Oberschenkelhöhe. Da trage ich mein Handy drin und den Pilgerpass in Zipplocktüte, In einer zweiten Hosentasche meine Geldbörse mit Bargeld, Kreditkarte und mit Personalausweis.

Viele Pilgerinnen tragen eine kleine extra Bauchtasche für diese wichtigen Dinge. Ich finde sie störend und verzichte darauf.

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15. Kopfbedeckung(en)

Gegen die Sonne:

Sandra ist natürlich nur mit Pilgerhut unterwegs ;)

Günstig gekauft als Anglerhut mit Belüftungsfenster bei dem großen Online-A. Bei Sonne gibt s nichts besseres. 

Gegen die Kälte:

Eine leichte Goretex Mütze.​ Das Material macht's! Würde ich im Sommer natürlich zuhause lassen, Aber sowohl im Mai als auch im September/Oktober hat sich besonders in den Morgenstunden, aber auch bei Wind, die Mütze absolut bewährt. Mütze auf und Kapuze der Regen- oder Softshelljacke drüber. Würde ich immer wieder mitnehmen. Ich ziehe sie auch nach dem Duschen über meine langen, nassen Haare, weil ja meistens kein Föhn vorhanden ist. Dann friert es mich nicht so am Kopf. Trocknet auch schneller.

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16. Regenzeug
 

Gaaaanz schwieriges Thema. Mit der Wahl der Regenkleidung hadere ich nach wie vor. Gute Regenkleidung ist wichtig (Minimum Wassersäule 5000). Andernfalls kann sich das extrem auf die Laune niederschlagen, wenn du nass und klamm durch die Landschaft watest und dich und dein Zeug bis zum nächsten Tag trockenkriegen musst. Im Hochsommer mag das nicht unbedingt gelten, aber in Galicien im Frühjahr/Herbst schon.

Entweder Poncho (Vaude Hiking Backpack Poncho - ein Riesenmonster, knöchelang für mich bei 1,75m in L/XL , für mich hätte es S/M auch getan, leider ziemlich schwer)  oder Regenjacke (Patagonia Torrent Shell - Superteil- superteuer) + Regenhose mitnehmen. 

Atmungsaktiv ist nix davon, dafür aber alles ziemlich heavy.

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Ich habe beides getestet und finde es nach wie vor eine sehr schwierige Ent-scheidung.

Es gibt Argumente für und gegen den Poncho: 

Für einen guten Poncho  spricht, dass du die Regen-hülle für den Rucksack sparen kannst, sowie die Regenjacke und in den meisten Fällen auch die Regenhose. Du musst also nur eine Sache tragen und sparst Gewicht ein.

Aber: Einen Poncho kann man alleine schlecht an- und ausziehen. Wenn der erstmal nass ist und du brauchst auf offener Strecke irgendwas aus dem Rucksack, ist das ein ziemliches Procedere. Poncho aus – du wirst derweil nass – Rucksack aus – Rucksack öffnen – kramen – Rucksack wird auch nass – Rucksack schließen – Rucksack wieder anziehen –Poncho wieder anziehen. Fazit: Du hättest direkt ohne Poncho gehen können.

Generell bei Starkwind, besonders bei Seitenwind, kombiniert mit Regen, flattert er ziemlich und du bist auch im Nu von untendrunter klatschnass.

Das passiert bei Regenjacke und Hose nicht. Dann brauchst du aber noch einen Rucksackschutz extra.

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Mit meiner  Regenjacke bin ich im November bei 5 Grad und konstantem Regen über Stunden hinweg gelaufen. Kann sie nur empfehlen. Nur an den Ärmelbündchen muss man etwas aufpassen.

Es gibt kaum Schlimmeres, als wenn der Inhalt deines Rucksackes ebenfalls nass wird. Deshalb empfehle ich, falls du nicht mit einem guten Poncho unterwegs bist, eine passende Regenhülle auf deinen Rucksack. Bei Starkregen kann es sein, dass auch da was durchgeht, wenn die Hülle nicht optimal zur Rucksackgröße passt.

Deshalb solltest du die Klamotten im Rucksack auf die wasserdichten Packsäcke verteilen. Damit beugst du bösen Überraschungen vor.

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17. Handy & Co

Eigentlich braucht man keine Extrapowerbank. Da ich aber gerne und viel fotografiere und mein Akku etwas schwächelt, schleppe ich sie zur Sicherheit mit. Ansonsten waren die Herbergen, die ich besucht habe alle mit genügend Steckdosen oder Mehrfachsteckern ausgerüstet, dass man nicht um einen Aufladeplatz kämpfen musste. Moderne Herbergen bieten eine eigene Steckdose am Bett an.  Das Handy ist aus vielen Gründen ein nützlicher Begleiter. Über spezifische Pilgerapps, kommst du einfach an viele praktische Infos. Selbst, wenn du eine Socialmediaabstinenz möchtest, ist es deine Verbindung nach Hause, dein Notruf, dein Fotoapparat, dein Gedächtnis, deine Uhr, dein Tagebuch, deine Taschenlampe, deine Standortanzeige für die Lieben zuhause, die deinen Weg im Geiste mitgehen. 
Ich würde sagen 95 % aller Pilger benutzen ein Handy. Der eine mehr, die andere weniger. Der Rest übt Digital-Detox.
18. Trinkflasche

Auf dem Camino Francés ist die Infrastruktur so gut, dass eine Flasche mit einem Liter Volumen ausreicht. Du kannst sie unterwegs ohne Probleme auffüllen. Ich stecke meine Flasche in eine Außentasche meines Rucksackes
Ich habe den Trinkschlauch meines Trinkblasensystems auf die Flasche geschraubt, so dass ich unterwegs trinken, aber auch sehen kann, wie viel Wasser ich noch habe. 
Dies ist für mich der größte Nachteils eines Trinksystems mit  Blase im Rucksackfach. Ich habe einfach kein Gefühl dafür, wieviel Wasser ich noch übrig habe. Dann trinke ich eher zu wenig als zu viel und trage zu viel Gewicht (= Wasser) bis zur nächsten Herberge.
Viele Leute tragen auch zwei 0,5 Literflaschen mit. Zum besseren Gewichtsausgleichs eine in jeder Seitentasche.
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19. Kleiner Waschbeutel

Ich denke, ihr wisst selbst am Besten, was für euch da reingehört. Zur Not bitte einfach in der Liste nachlesen.​
Wichtig nur: Bitte keine Familienpackungen! Es gibt in manchen Drogeriemärkten Reisegrößen.​
P.S.: Ich verzichte tatsächlich auf ein extra Reisewaschmittel aus der Tube. Bei Handwäsche nehme ich mein festes Shampoo "eins für alles". Manchmal gibt es Kernseife.
Bei Maschinenwäsche gibt es immer Pulver vor Ort.

20. Erste Hilfe Kit

Es gibt zwar auch viele Apotheken in Spanien, aber meist nicht da, wo du dich verletzt. Mitten im Gelände. Deshalb sind Desinfektionsspray, sterile Pflaster, Verband, Sporttape, Schere für mich ein Muss. Natürlich auch schmerzlindernde Mittel zum Schlucken oder Einreiben. Je nach Gusto. Alles woran du glaubst, was dir helfen kann gegen Muskelschmerzen (Rücken/Schultern/Hüften/Knie), Insektenstiche, Sonnenbrand, wunde Füße und andere kaputte Stellen.

In den Beutel gehören für mich auch die Ohropax rein. Eine der größeren Gefahren auf den Caminos dieser Welt sind keine wilden Tiere - Es sind Menschen, die wie solche Tiere klingen und dir schnarchend nachts den Schlaf rauben. Du wirst feststellen, wie wertvoll dieser wirklich ist.
Ich kann mich nach wie vor nicht wirklich dafür erwärmen, mir nachts die Ohren vollzustopfen, aber neben teuren Einzelzimmern sind Ohropax die günstigste mir bekannte Alternative!

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Letzte Tipps, Tipps, Tipps!

Neue Ausrüstung vorher testen und einstellen

​Ich empfehle jedem, der erste Langstreckenambitionen hat, die wichtigen und neu gekauften Ausrüstungsgegenstände unbedingt VOR dem ersten Pilgerabenteuer ausgiebig zu testen.

Dazu gehören definitiv die Schuhe samt schnuckeliger Wandersocke (Wanderschuhe einlaufen), der Rucksack (Gurte richtig einstellen) und euer Regenzeug (Bequem auch über der Midlayerjacke? Hält das genug ab/aus, auch bei Wind?). Pilgert oder wandert doch einfach vor der eigenen Haustür. Entweder macht Tagestouren oder auch mal ein Wochenende mit einer Übernachtung auf einem deutschen Jakobsweg. Es gibt tatsächlich mittlerweile richtig viele Möglichkeiten! In bestimmten Regionen gibt es auch regelmäßig organisierte begleitete Tagespilgerangebote, bestens geeignet zum reinschnuppern.

Wenn ihr z.B. das Gehen mit Teleskopstöcken noch nicht kennt – probiert auch das aus.

​Probewanderungen

Auf diesen "Probewanderungen" lernt ihr sehr schnell  euren Körper kennen und wie ihr ihn behandeln, bzw. nicht behandeln solltet, damit er nicht sofort aufmuckt. Auch merkt ihr, ob eventuell Teile eurer Ausrüstung, die ihr noch aus dem letzten Jahrtausend auf dem Dachboden genau für diese Gelegenheit aufbewahrt habt, Schrott sind und könnt überlegen, ob ihr mit dem Schrott wirklich weit laufen wollt. Bereits "gebrauchte" Regenklamotten und Schuhe vorher am besten nochmal imprägnieren!

Packordnung

Und ihr findet schnell heraus, was im Rucksack ihr immer dringend braucht, aber normalerweise ganz unten liegt, was ihr dringend gebraucht hättet, aber nicht dabei hattet und was ihr gar nicht gebraucht habt und besser zuhause lassen würdet.

 

Nach diesen Homerun-Erfahrungen kannst du die ein oder andere sinnvolle Entscheidung treffen, um dir die körperliche Anstrengung eines Mehrere-Hunderte-Kilometervorhabens ein wenig zu erleichtern. Das ist noch effektiver als nur die 10 tollen Packlisten von anderen Pilgern zu lesen, sich blind darauf zu verlassen, aber es nicht selbst auszuprobieren.

Und als Letztes dran denken:

Ein Päckchen Mut einpacken! Wirkt Wunder! Du schaffst das!

Buen Camino!

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